Triff unsere neue Mitwirkende - Stephanie, die über mittelalterliche Kunst schreiben wird. Viel Spaß! :)
Im Jahre 698 exhumierten die Mönche von Lindisfarne, einer abgelegenen Inselgemeinschaft vor der Küste Nordenglands, ihren berühmtesten Bischof Cuthbert mit der Absicht, seinen Körper in ihre Kirche zu versetzen. Und siehe da - ein Wunder! Nach elf Jahren war sein Körper immer noch vollkommen unbeschädigt und unberührt vom Verfall. Cuthberts körperliche Unverweslichkeit kombiniert mit seinem beispielhaft heiligen Leben beseelte Könige, Bischöfe, Mönche und gläubige Christen. Durham Cathedral, wo sein Körper seit dem 11. Jahrhundert ruht, erlebte einen kontinuierlichen Strom an gläubigen Pilgerern, die den Heiligen im Mittelalter begierig besuchten.
Jahrhunderte später, im 19. Jahrhundert, wurde St. Cuthberts Schrein zum ersten Mal seit über 300 Jahren geöffnet. Im Inneren war St. Cuthberts immer noch gut erhaltener Leichnam in einem aus Holz geschnitzten Sarg aus dem siebten Jahrhundert gebettet. Neben seinem Körper waren eine Reihe von Objekten beigefügt, unter anderem ein Kamm aus Elfenbein, ein mobiler Altar, und ein kleines, aber bemerkenswertes Brustkreuz aus Gold und Granat.
Das Pektorale war so entworfen, dass man es wie eine Halskette mit einer Schnur oder einer Kette an der der Brust trug. Vermutlich in England im siebten Jahrhundert hergestellt wurde es in der Kleidung von St. Cuthbert eingewickelt gefunden und befindet sich inzwischen in der Sammlung von Durham Cathedral. Gold- und Granatschmuck war zu dieser Zeit in Nordeuropa sehr geläufig und vorhandene Exemplare wie dieses Kreuz weisen geometrische Muster auf. Dieses Pektorale basiert auf einen kreisförmigen Aufbau mit fünf Steinen in der Mitte und je zwölf Steinen auf jedem Arm, die vermutlich die zwölf Apostel von Jesus verkörpern. Die leuchtend rote Farbe der Granatsteine spiegelt höchstwahrscheinlich die in der christlichen Mythologie wichtigen Themen des Tods und des Märtyrertums wieder. Es wird vermutet, dass ein Relikt - ein mit einem Heiligen assoziierter Gegenstand oder Körperteil - hinter dem mittleren Granat eingelassen ist, jedoch wurde bisher kein Versuch unternommen das Kreuz zu öffnen. St. Cuthberts Pektorale ist ein beeindruckendes Beispiel für den Einfluss des Christentums auf das Design und die Handwerkskunst von frühmittelalterlichem Schmuck.
- Stephanie