Das Thema des ungleichen Paares, welches seine Hochphase in Drucken des 16. Jahrhunderts hatte, kann als die Kombination eines säkularen Sittenbildes und der mittelalterlich-christlichen Repräsentation der Laster angesehen werden. Das karikaturhaft verzerrte Gesicht des alten Mannes, der in diesem Bild eine auffallend junge und hübsche Frau lüstern umarmt und ihr als Zeichen seines Reichtums ein Schmuckstück überreicht, soll sie dazu bewegen, seinen Bart zu streicheln und ihm Gutes zu tun. Das Bild des Paares wird meistens interpretiert als Dirne und ihr Kunde, aber es könnte ebenso eine Zweckehe sein, besonders da der ansonsten klare erotische Unterton des Themas hier heruntergespielt ist. Besonders vor dem Hintergrund der lutheranischen Aussage, dass „Hochzeit am besten unter Gleichen“ sei, können wir einen moralisierenden Vorstoß ausmachen. Cranach und sein Atelier nahmen das Thema wiederholt auf.


Das ungleiche Paar (der alte verliebte Mann)
Öl auf Leinwand • 25,7 x 38,8 cm