Heute beginnen wir mit diesem großartigen Vermeer unsere einmonatige Partnerschaft mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Ihre Kollektion ist unglaublich - wir werden ihre Meisterwerke für die nächsten vier Sonntage präsentieren. Viel Spaß!
(Genießt auch unsere DailyArt-Kalender 2020, die wir online verkaufen. Schaut sie euch an!)
Ein Großteil dieses Gemäldes wird von einem Teppich eingenommen. Durch das deutlich erkennbare Muster kann er als ein Teippich aus Uşak, einem Ort in Westanatolien (Türkei) mit einer langen und reichen Teppichtradition, identifiziert werden. Das hier abgebildete Exemplar kann aufgrund der dunkelblauen Grundierung und des roten zwiebelförmigen Mittelmedaillons auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert werden. Orientteppiche finden sich auch in zahlreichen anderen Gemälden, deren Kunstfertigkeit man sehr bewundert hat.
Vermeer übertrug in diesem Gemälde den großen Umfang seiner frühen historischen Szenen auf ein Genremalerei Thema. Bei diesem anderen Malerei-Genre stand eine überraschend neue Seh- und Malweise im Mittelpunkt seines Schaffens. Er orientierte sich an den Gemälden einer niederländischen Künstlergruppe, deren Blütezeit bereits 30 Jahre zurückliegt: den Utrechter Carawaggisten. Ausgehend von "Bei der Kupplerin" werden Elemente dieser künstlerischen Bewegung in seinen späteren Werken übernommen oder angedeutet.
Vermeer begann das Gemälde offenbar mit der Absicht, eine Genre Szene mit vier fast lebensgroßen Figuren in der caravaggesken Tradition darzustellen. Die Gruppe befindet sich hinter einer Balustrade, wo die Sitzenden sowohl miteinander als auch mit dem Betrachter auf engstem Raum kommunizieren. Vermeer präsentiert uns eine heitere, ruhige Szene, in der man die Anstößigkeit der Situation auf den ersten Blick nicht wahrnimmt. Er lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass es sich um eine Kuppelszene handelt: Der modisch gekleidete Freier zahlt, während seine Linke die Brust der jungen Frau berührt. Es ist kein Zufall, dass sich die Hände, die an der Übergabe des Geldes beteiligt sind, im Zentrum der Komposition befinden, die durch den oberen Rand der Barriere horizontal in zwei Hälften unterteilt ist.
P.S. Lies über ein Geheimnis, das in einem anderen Dresden Vermeer enthüllt wurde, der berühmten Briefleserin am offenen Fenster, hier <3
Liebe DailyArt-Leser! Wir suchen neue Autoren für das DailyArt Magazine. Wenn Sie über Kunst auf Englisch schreiben und Ihre Texte veröffentlichen möchten, senden Sie eine E-Mail an [email protected].