Die Vermählung Mariä, auch bekannt als Sposalizio, ist ein Ölgemälde von einem der berühmtesten Maler der Renaissance, Raffael. Das 1504 für die Kirche San Francesco in Città di Castello fertiggestellte Bild zeigt die Hochzeitsfeier von Maria und Josef.
Die Szene findet auf einem großen Platz statt, welcher von einem großen 16-seitigen, runden Tempel überragt wird, den man über eine Treppe mit einer zum Horizont geöffneten Eingangstür betritt. In der Mitte des Säulengangs, über den Bögen vor der Tür des Tempels, findet sich die Signatur des Künstlers: „Raphael Urbinas” (Raffael aus Urbino) und das Datum: „MDIIII” (1504). Im Vordergrund sehen wir eine Hochzeitszeremonie. Wir sind Zeug*innen des Moments, in dem die Eheleute – der heilige Josef und die Jungfrau Maria – vor dem Priester die Eheringe tauschen.
Rechts befindet sich ein junger Mann, der einen Zweig über seinem Knie zerbricht, während vier andere junge Männer hinter Josef Zweige hochhalten (eine Referenz zu einer Passage aus dem apokryphischen Protoevangelium des Jakobus). Die Vermählung Mariä zeigt nämlich eine Szene, die nicht in einem der vier kanonischen Evangelien vorkommt. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht das Leben der jungen Maria, die ihre Jugend im Tempel zu Jerusalem verbrachte. Als sie einen Ehemann wählen sollte, konnte sie sich nicht zwischen den Bewerbern entscheiden. Daher half ihr der Hohepriester, indem er jedem der Männer einen Zweig gab und auf ein Zeichen wartete... Der Zweig, der schließlich erblühte, gehörte Josef, dem ältesten der Bewerber.
PS: Raffael malte die Vermählung Mariä mit Blick auf das Altarbild mit demselben Thema von Perugino, das in unserem 50-teiligen Postkarten-Set zur italienischen Renaissance zu sehen ist. Schaut euch auch eine faszinierende Analyse der zwei Meisterwerke des Schülers Raffael und seinem großen Meister Perugino an.