Utagawa Kuniyoshi ist einer der bekanntesten Druckgrafiker*innen der Edo-Zeit. Obwohl seine Karriere mit einigen Schwierigkeiten begann – zeitweise musste er sogar Schilfmatten verkaufen – erreichte Kuniyoshi schließlich großen Ruhm, leitete ein großes Atelier mit zahlreichen Schülern und beeinflusste die Kunst bis weit ins späte 19. Jahrhundert. Seine Entwürfe waren so beliebt, dass Bewunderer sie sich oft als Tattoos stechen ließen. Besonders bemerkenswert ist seine Integration westlicher Zeichentechniken und Perspektiven in seine Kompositionen.
Dieser Druck, Yokkaichi, zeigt eine junge Frau, die sanft den Kopf eines steinernen Inari-Fuchswächters vor dem Nezu-Gongen-Schrein in der Hafenstadt Yokkaichi – dem „Vierter-Tag-Markt“ – in der Präfektur Mie, westlich von Edo (dem heutigen Tokio), streichelt. Das Werk ist eine mitate-e-Komposition – eine kunstvolle, intellektuelle Anspielung auf kulturell bedeutende Themen und bildliche Traditionen. Die Darstellung erinnert an das klassische chinesische Motiv der Acht Ansichten der Xiao- und Xiang-Flüsse. Gleichzeitig verweist das Werk auf Kuniyoshis eigene frühere mitate-e-Serie, aus der die Figuren entlehnt sind.
Im Shinto-Glauben wird der kami-Geist Inari, oft in Fuchsgestalt dargestellt, mit Reisanbau, Wohlstand und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Dieses Thema zieht sich durch die gesamte Komposition: vom Inari-Fuchswächter bis zur fernen Landschaft mit belebten Wasserstraßen, Fähren, Fischerbooten und weiß verputzten Lagerhäusern, in denen Reis – damals ein zentrales Handelsgut – gelagert wurde. Die vielschichtige Symbolik verleiht dem Werk eine besondere Tiefe: Inari wurde nicht nur mit Wohlstand, sondern auch mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht – Frauen beteten oft zu dieser Gottheit für Kindersegen. Paradoxerweise war Inari zugleich die Schutzgottheit der Vergnügungsviertel, einschließlich der Bordelle – eine Dualität, die Kuniyoshis Zeitgenossen gleichermaßen provokant wie amüsant fanden.
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