Jüdin mit Orangen by Aleksander Gierymski - ca. 1880 - 1881 - 65 x 54 cm Nationalmuseum Warschau Jüdin mit Orangen by Aleksander Gierymski - ca. 1880 - 1881 - 65 x 54 cm Nationalmuseum Warschau

Jüdin mit Orangen

Öl auf Leinwand • 65 x 54 cm
  • Aleksander Gierymski - 30 January 1850 - 6–8 March 1901 Aleksander Gierymski ca. 1880 - 1881

Unter den wenigen Gemälden, die der polnische Maler Aleksander Gierymski in seinem eigenen Schaffen als besonders bemerkenswert erachtete, sticht das Werk die Jüdin mit Orangen hervor. Obwohl er eigentlich eher dazu neigte, sein Werk kritisch zu betrachten, zeigte er sich in einem Brief an seinen Freund Prosper Dziekoński zufrieden, wie es selten der Fall war:

„Die Jüdin... wird wohl mein bestes Gemälde sein (...), teuflisch lebhaft und farbenfroh. Vielleicht übertreibe ich, aber wenn ich jemals zur ernsthaften Malerei zurückkehre, werde ich nur noch große und mittelgroße Figuren malen, keine Landschaftsmalerei mehr für mich.“

Das Gemälde besticht durch seinen erstaunlichen Realismus. Das Gesicht der Frau ist mit eindrucksvoller Detailtiefe wiedergegeben und spiegelt sowohl Erschöpfung als auch Resignation und die Bürde der Armut wider. Gierymski wagte sich nur selten an Porträts heran, was die Jüdin mit Orangen zu einem außergewöhnlichen Werk unter seinen sonstigen Stadtansichten jener Zeit macht, in denen die Figuren oft eine eher untergeordnete Rolle spielen. Gierymskis besondere Fähigkeit, die authentischen Emotionen der alten Frau einzufangen, ist ein äußerst bemerkenswertes Merkmal dieses Werkes. Er selbst hatte zu jener Zeit mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und fühlte sich in seiner Heimat unverstanden. In Warschauer Künstlerkreisen wurde er dafür kritisiert, profane Themen darzustellen, anstatt sich von der Geschichte inspirieren zu lassen.

Man sollte auch die turbulente Kriegsgeschichte der Jüdin mit Orangen nicht unerwähnt lassen. Das 1928 vom Nationalmuseum Warschau erworbene Gemälde wurde bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in einem Lagerraum des Museums versteckt. Während des Warschauer Aufstands wurden die Kisten mit den Kunstwerken noch vom Museumsdirektor Stanisław Lorentz gesehen. Doch als er im Januar 1945 in die zerstörte Stadt zurückkehrte, war das Gemälde zusammen mit einer halben Million weiterer Meisterwerke, die während des Krieges aus Polen geraubt worden waren, verschwunden. Es galt als für immer verloren und tauchte erst 2010 unerwartet in einem Auktionshaus in Buxtehude bei Hamburg wieder auf. Dank der Bemühungen des polnischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe konnte es anhand von Vorkriegsfotos aus der Sammlung des Warschauer Nationalmuseums identifiziert und zurückgewonnen werden. Nach Abschluss einer umfassenden Restaurierung wurde das Gemälde die Jüdin mit Orangen in das Nationalmuseum Warschau zurückgebracht. Dort ist es nun ein wesentlicher Bestandteil und Highlight der Galerie der Kunst des 19. Jahrhunderts.